Home
Suchen & Finden
Sitemap
Kontakt aufnehmen
Gästebuch
Rechtliche Hinweise
Impressum

 

 


Album-Section

Tubular Bells 2003

Intro
Chronik
Hörprobe
Interview
Promoter
Promotion Fotos
Variationen
The Complete Tubular Bells

Interview

Das folgende Interview wurde im Dezember 2003 erstmalig auf der Webseite von Mike Oldfield in Englisch veröffentlicht. Es beschreibt die Entstehung der Audio DVD von "Tubular Bells 2003".

An dieser Stelle mein Dank an Andreas R. Schulz für die Übersetzung und die Erlaubnis, diesen Text hier zu veröffentlichen.

TUBULAR BELLS DVD Audio 5.1 - Mike Oldfield
HI-FINews Magazine November 2003

Jetzt, da Tubular Bells 2003 in Surround erschienen ist, erklärt sein Schöpfer, warum seine 5.1 DVD-A Neuaufnahme besser ist als der Quad-Mix auf SACD.


Ein Interview von Andrew Harrison, Bilder von Roger Phillips
Übersetzt aus dem Englischen von Andreas R. Schulz


Während viele neue Alben, ebenso wie viele alte 'Klassiker', in einem der neuen 'high-resolution' Disk-Formate erscheinen, gibt es tatsächlich nur wenige, die gleichzeitig auf DVD-A und SACD verfügbar sind. Die Trennung zwischen den beiden besteht in der Tat auch in den Aufnahmen von Mike Oldfield, trotz der Tatsache, dass sein Anfangswerk 'Tubular Bells' eines der wenigen wurde, das in beiden Formaten zu hören ist. Das kommt daher, dass man nicht ganz die gleiche Aufnahme hören wird, da die Aufnahmen für Tubular Bells auf SACD und DVD-A 30 Jahre auseinander liegen, ganz zu schweigen von den Jahrzehnten der technischen Entwicklung. Trotzdem bleibt das neue Tubular Bells 2003, als eine Neuaufnahme der selben Melodien, mit den selben Arrangements und vertraut klingenden Instrumenten, dem Geist des Originals treu. Man vergleiche dies mit Tubular Bells II von 1992 und TB III von 1998, die Weiterentwicklungen der Hauptthemen des Originals darstellen; der erste Nachfolger schlug ziemlich in die gleiche Kerbe, das weltlichere und dynamischere TB III zeigte schon mehr Variation.

Wenn nun die neueste Version nur Note für Note die erste Aufnahme kopiert, dann muss man sich fragen – wozu?

'Ich war nicht glücklich mit dem Original. Das meiste davon wurde in einer Woche aufgenommen, und ich wollte - zu meiner eigenen Befriedigung - eine gut produzierte, gut gespielte und gut klingende Version davon haben. Sie haben das Original auf SACD herausgebracht. Ich sehe keinen Sinn darin, denn es kann nicht besser sein als das Original. Ich meine, das Original war auf 16-Spur Analog-Band, also kann es nicht besser als das werden, egal wie viele Zillionen Samples man davon macht. Für mich klang die vorhandene Version gut genug. Aber die neue Version hat 24Bit/48kHz - das ist das, was man auf der DVD-A hört, es ist das selbe, was ich höre, und besser geht es nicht. Ich glaube nicht, dass das menschliche Ohr mehr Details unterscheiden kann. Vielleicht, wenn wir Ohren wie Fledermäuse oder Hunde hätten! Besser als das, was hier drauf ist, geht es nicht. Aber es klingt dann immer noch gut auf einer Heimanlage. Dinge kommen von hinten und von der Seite auf dich zu. In dem Mix ist nichts statisch, alles bewegt sich, wie ein Kaleidoskop.'

Oldfield war sehr aufgeschlossen gegenüber dem 5.1 Surround Sound, der neuen Werbemasche, mit der die Musikindustrie die Konsumenten anziehen will. Eine komplette Neuaufnahme gab ihm die Wahl, alles irgendwo in den Raum zu platzieren, im Gegensatz zum ersten Album, das aus mehreren, vielfach übereinander kopierten Spuren bestand und damit an die Grenzen der Mehrspurtechnik von 1973 ging..

Dass Mike Oldfield auf den 5.1-Zug aufspringt, ist noch überraschender, bedenkt man seine Kommentare zu Musik in Surround Sound in der Vergangenheit. Die Idee, Musik durch plötzliche Geräusche von hinten zu unterbrechen fand Oldfield nicht besonders verlockend. ('Es stört, wenn Musik von hinten kommt, weil man sich immer umdrehen und sie ansehen will', sagte er zu 'Sound On Sound' im November 2002). Eine Analogie aus der Tierwelt als möglicher Denkanstoß: sie besagt, dass wir unbewusst leise Geräusche von hinten filtern, um potentielle Gefahren zu erkennen. Das könnte erklären, warum Surround Sound so gut bei Filmen funktioniert (wo wir das 'Gefahrenelement' aktiv genießen können), aber häufig bei Musik weniger erfolgreich ist, weil wir uns lieber in den Sound vor uns hinein entspannen wollen.

'Wir wollten eigentlich nur Stereo haben, und dann schlug die Plattenfirma vor, es in 5.1 zu machen. Ich glaubte nicht, dass dieses Studio dazu in der Lage war, also fragte ich Bob Clearmountain [der anerkannte Rockproduzent, der kürzlich die 5.1 SACD-Aufnahmen von Roxy Music abgemischt hat], und er wollte es tun; und dann hatte ich noch eine Idee... Ich sagte: "Nun, vielleicht gibt es einen Software Upgrade, mit dem ich 'pan control' in das Mischpult bekomme."'

'Also, die hinteren Lautsprecher waren ursprünglich die Monitore neben meinem Plasmabildschirm, wir haben sie nach hinten gestellt, einen Frontlautsprecher und einen Tieftöner dazu... und als alles funktionierte, klang es großartig! Eigentlich war es ganz einfach. Es ist der extra Frontlausprecher - er hilft, die Mitte genau in der Mitte deines Kopfes zu fixieren - was Quadrophonie nicht schafft. Mit dem selben Klang, genau in die Mitte gemischt, klingt es in Quadrophonie Wischi-Waschi, aber der Frontlautsprecher fixiert ihn genau dort.'

Mit Oldfields bevorzugter Mehrspur-Software 'Logic Audio' direkt auf Festplatte aufgenommen, unterscheidet sich TB2003 nicht zuletzt deswegen von anderer Mehrkanal-Musik, weil der Komponist und Musiker auch für die Abmischung verantwortlich war, und damit für etwas mehr als ein wenig kreatives Verschieben der Klänge in verschiedene Richtungen. Wenn man des fertige Werk in Oldfields privatem Studio hört, gibt es ein offensichtliches Thema von Bewegung, wobei die Instrumente selten lange an einer Stelle bleiben. Tubular Bells 2003, im Original, und in dem Studio abgespielt, wo es aufgenommen wurde, war absolut ein akustischer Genuss. Von seinem eindrucksvollen 15/8 Anfangsmotiv bis zum von John Cleese präsentierten Hauptthema, und darüber hinaus, hat es mich hypnotisiert. Alleine wegen der 'Caveman section' werden Surround-Fans auf die Wiederholungstaste drücken.

'Alle <Instrumente> wandern im Raum umher, alles wandert, auch der Bass. Herum und herum und herum. Ganz am Ende, beim 'Hornpipe', machen sie eine Art von 'Square Dance', kreuz und quer, vor und zurück und diagonal, und tanzen sozusagen umher.'

Nicht unähnlich dem neu abgemischten Ende der originalen quadrophonischen Version, wie ich mich erinnere, einschließlich der Wiederholung mit Viv Stanshall, der betrunken im Raum herumgeht. Aber das Thema der statischen, im Gegensatz zur dynamischen, Steuerung war am wichtigsten. Manchmal sind Regeln da, um gebrochen zu werden, so wie das Mantra, den Bass in der Mitte zu halten, um winzige Satellitenlautsprecher nicht durcheinander zu bringen. Eine Regel, der die meisten Toningenieure sklavisch folgen werden.

'Ich mag Toningenieure nicht! Ich kenne einen, der wahrscheinlich die Arbeit hingeworfen hätte und herausgegangen wäre bei der Vorstellung, den Bass durch den Raum wandern zu lassen! Sie sind so... konservativ. Aber am Anfang wandert der Bass durch den Raum.'

'Es war eine Kombination aus echtem, ein wenig synthetischem und verstimmten <'pitch-bend'> Bass. Sogar das Geräusch des Plektrums wurde extra aufgenommen. Ich habe es natürlich mit einem echten Bass versucht; ich habe jede Art von Bass probiert. Ich habe zwei Wochen alleine für den Bass-Sound gebraucht. Diesen fand ich am besten geeignet. Es gibt fünf oder sechs Spuren nur mit verschiedenen Bässen, die zusammen diesen Klang ergeben, und dann noch all die Kurven für Änderung der Tonhöhe und Modulation, und so haben wir einige Wochen nur dafür gebraucht.'

Liebe zum Detail aber war schon von Anfang an dabei, in den 1970ern allerdings noch mit der begrenzten Dynamik der LP Schallplatte. Zum Beispiel die eigentlichen Röhrenglocken auf 'Tubular Bells'...

'Nun, wir hatten Probleme damit, als wir es auf Vinyl pressen mussten. Wir hatten so eine große Dynamik, von ganz leise, bis zu den Glocken, die laut waren, und wegen des Abstandes der Rillen mussten wir mit der Lautstärke der Glocken sehr vorsichtig sein. Seit es CDs gibt, müssen wir uns um diese Dinge nicht mehr so sorgen, denn jeder wird es fast so gut hören wie Du hier bei mir. Ich nehme an, mit 5.1 ist es jetzt das gleiche, obwohl du ein paar einigermaßen gute Lautsprecher brauchst. Ich habe es auf ein paar kleinen billigen 5.1 Lautsprechern gehört, und es klingt immer noch großartig.'

'Wenn etwas fertig ist, dann probiere ich es bei allen möglichen Lautstärken und auf allen verschiedenen Arten von Lautsprechern : im Auto, auf dem Ghettoblaster. Es ist mehr für die Abstimmung, den Basspegel, solche Sachen, um sicher zu sein, dass nichts verlorengeht.'

Was dachte Oldfield über andere Surround Sound Musikstücke, die er anderswo gehört hat?
'Nun, <einige?> Sachen, die ich gehört habe, klangen großartig. Die Toningenieure benutzen es zu wenig. Die Dinge kleben einfach fest, mehr hinten als vorne. Diese Mixes werden meistens von Ingenieuren produziert, von denen keiner wirklich kreativ ist. Es ist wirklich nett, wenn sich die Dinge bewegen.'

Die Musik von Mike Oldfield wird für ihre hohe Produktionsqualität respektiert – die sorgfältige Schichtung der Klänge, gut aufgenommene Instrumente, gut durchdachte Stereo-Positionierung; Werte, die das Ohr des Audiophilen genauso ansprechen wie den einfachen Musikliebhaber. Im Kleingedruckten damals auf dem Cover der Original-'Tubular Bells' stand sogar etwas frech: 'Beste Wiedergabe auf einer Stereoanlage, kann zur Not auch in Mono abgespielt werden' <nicht ganz korrektes Zitat von 'This stereo record cannot be played on old tin boxes no matter what thay are fitted with'>. Angesichts dieses großen persönlichen Aufwandes, um einen guten Klang zu erreichen, was ist Oldfields Meinung über die Verringerung der Qualität durch das Einfügen eines analogen 'Wasserzeichens'? Wie sich herausstellte, sagte er mir, dass er noch nie von diesem Verfahren gehört hätte, das eifrig von Warner Music, seiner neuen Plattenfirma nach Virgin, eingesetzt wird. Warner benutzt grundsätzlich das 'Venerance-Watermark' auf allen seinen DVD-A-Veröffentlichungen, ein Verfahren, um Informationen in das Musiksignal einzufügen, angeblich um die Zählung und Erfassung von Lizenzgebühren bei Radiosendungen zu unterstützen, aber auch Teil des Plans der SDMI [Secure Digital Music Initiative], jegliches Kopieren von Musik zu unterbinden.

Die SDMI hofft, ein Gesetz durchzubringen, dass alle zukünftigen privaten Aufzeichnungsgeräte diesen Code erkennen und die Aufnahme von Musik, die ihn enthält, verweigern sollen. Allerdings ist sein schlechter Einfluss auf die Klangqualität die größte Sorge.

'Das sind Dinge, die passieren nachdem die Musik mein Studio verlassen hat. Ich habe nichts damit zu tun. Meine Arbeit ist mit dem beendet, was sie heute gehört hier haben. Ich gebe meine Disk an die Leute von der Produktion. Die machen diese Dinge damit. Ich bin keine Plattenfirma. Ich bin Produzent und Künstler und befasse mich nicht mit dieser ganzen Seite.'

Aber das heikle Thema Kopierschutz beschränkt sich nicht auf Warners Billigung eines unlöschbaren Signals in DVD-Audio-Musik. Unglücklicherweise benutzt auch die normale Stereo-CD-Ausgabe einen gemeinen Kopierschutz, angeblich das CDS-200 System [Cactus Data Shield, gehört jetzt zu Macrovision], entworfen, um Kopien auf CD-R zu verhindern. Nicht nur, dass es Kopien erschweren soll, will das System auch die korrekte Wiedergabe auf Computern verhindern und verwirrt sogar einige normale CD-Player.

Die Dokumentation von Macrovision selbst gibt zu, dass das System auf absichtlichen Knacksern und Sprüngen beruht, angeblich unhörbar bei normaler Wiedergabe. Trotzdem verdammt es jeder anständige Musikliebhaber und, so sollte man hoffen, Musikproduzent. Da Mike Oldfield keine Ahnung vom DVD-A Wasserzeichen hatte, fragte ich mich, ob sie ihn wenigstens zur Verfälschung der CD-Version gefragt haben. 'Ja, ich wurde gefragt. Sie kamen zu mir und sagten: „Wenn wir nichts tun, sind wir in zwei oder drei Jahren alle arbeitslos!“ Ha-Ha! Ich weiß nicht, was mit der Musikindustrie passieren wird. Sie liegt im Moment wirklich in den letzten Zügen.'

'Die Tage des millionenschweren Superstar-Rockmusikers sind vorbei. Und das ist vielleicht auch irgendwie gut. Aber das Internet ist Anarchie, wo jeder tun kann, was er will. Aber man kann nicht verhindern, das jemand Musik kopiert. Man kann sie zur Not immer noch mit einem Paar Mikrophone aufnehmen. Man kann die Leute nicht davon abhalten, wenn sie es wirklich wollen.'

'Natürlich ist es inzwischen genau das – einer kauft die CD, nimmt sie auf und gibt sie 20 Freunden. Es sieht aus wie das Ende des Musikgeschäfts'

Wir sprachen über re-mastering; zum Beispiel die Neuausgabe alter Virgin-Aufnahmen auf HDCD, mit freundlicher Unterstützung der früheren 'Tubular Bells' Toningenieurs und audiophilen Soundmischers Simon Heyworth. Oldfield war nicht vertraut mit dem Pseudo-20bit-Format, aber er hatte einige Ansichten zum Thema 'remastering'.

'Ich weiß nicht, ob ich den Unterschied hören könnte [zur HDCD], es ist kaum zu unterscheiden. Aber eine komplette Neuaufnahme in bester 5.1-Qualität ist mit nichts zu vergleichen. Den Unterschied kann man hören. Ich könnte eine normale CD und eine SACD nicht unterscheiden! Vielleicht bei einem Orchester, oder unterschiedlichen Abtastfrequenzen... Ich kann so gerade eben zwischen 44,1 und 48 <kHz Abtastfrequenz> unterscheiden, aber nach ein Paar Sekunden hat man sich daran gewöhnt. Nur wenn man direkt A-B vergleicht und wirklich hinhört, kann man sagen, „Nun, das eine klingt eine Winzigkeit besser.“ Aber das ist sehr subjektiv.'

'Ich habe Dolby Digital ausprobiert, man kann einen Unterschied hören : es klingt ein wenig dünner, aber immer noch gut. Aber DTS ist viel besser.'

'''remastered' heißt eigentlich nicht viel : man steckt es in ein Stück Software, dreht ein bisschen am Klang, und das war es auch schon. Es ist kein wirklicher Unterschied, es klingt nur ein wenig besser. Du kannst das gleiche tun, wenn du den Höhenregler an deinem Verstärker etwas aufdrehst, ha ha! Das ist alles was sie tun! Hier und da ein wenig Kompression, es macht kaum einen Unterschied.'

Hat Mike Oldfield, außer in Deckung zu bleiben, während die Musikindustrie zusammenbricht, irgendwelche Pläne, weitere seiner alten Aufnahmen für DVD-A 5.1 Surround Sound zu überarbeiten?
'Ich habe nicht die Absicht. Aber wir müssen abwarten, wie TB2003 ankommt. Wenn dieses Format wirklich populär wird, dann könnte es die Mühe wert sein, meine alten Masters herauszusuchen und in 5.1 herauszubringen. Man kann nie wissen, es ist ein sehr neues Format.'

Nun ja, neu in diesem Jahr für viele Leute, obwohl DVD-Audio kommerziell schon vor über drei Jahren auf den Markt kam. Und dann nochmal im April 2001... und noch einmal im August 2002.

'Davon abgesehen, lasse ich es etwas ruhiger angehen, widme mich meinen Hobbys, wie Modellhubschraubern. Ich habe ein schönes neues Motorrad und versuche, es selbst zu pflegen. Also Motorradpflege, Tiere und Pferde und so. Man könnte es 'Halb-Ruhestand' nennen, wenn man möchte.'

 

Version 4.1 © 2002-2006 by Stawi. Alle Rechte vorbehalten. Impressum und Rechtliche Hinweise.