Hibernaculum

Tubular Bells die Xte

Man hört es und sagt sich: „Kenne ich – das ist schon mal da gewesen.“ Nur irgendetwas ist anders, als bei dem, was ich bisher zu Hören bekam.

Auf der Verpackung steht „Tubular Bells 2003 – Introduction“ und der Name Mike Oldfield.

Der Meister covert sich also selber. Klasse, gibt es nicht schon genug Versionen von dem ewigen Thema „Tubular Bells“? – Haben sich nicht schon einige Dutzend Musiker an diesem Stück versucht?

Im Jahre 1973 war es ja noch etwas Neues. Ein Innovatives und ein noch nicht gehörtes Musikstück, eines jungen Künstlers aus Reading, in der Nähe von London.

Okay, rund sechzehn (16.000.000) Millionen mal ein Album zu verkaufen, ist schon eine Leistung, die nicht viele geschafft haben und auch nicht schaffen werden. Den Geschmack vieler Generationen erreicht nun mal nicht jeder.

Rund zwanzig Jahre später, genau genommen im Jahr 1992, gibt es dann „Tubular Bells II“ und wir freuen uns für Mike Oldfield, das er sein altes Thema neu aufbereitet hat.

Die Intervallen werden Kürzer und der introvertierte Musiker beschert uns sechs Jahre später „Tubular Bells III“ für unsere Ohren.

Es folgt das Jahr 1999 und wir bekommen „The Millennium Bell“ zu hören und sagen uns: „Hey, das war es wohl endlich mit den Bells. Denn viel, ist davon ja nicht mehr übrig geblieben.“

Nun Schreiben wir das Jahr 2003 und es sind dreißig Jahre vergangen seit dem wir das erste Mal etwas von seinen „Tubular Bells“ gehört haben. Mike Oldfield wird am 15.Mai fünfzig Jahre alt und er erfüllt sich seinen Geburtstagswunsch der besonderen Art. „Tubular Bells 2003“ so nennt es sein Plattenproduzent Warner (WEA Spain). Für ihn ist es „Tubular Bells re-Recording“ und so muss und sollte man es auch verstehen.

Mike Oldfield ist ein akribischer Perfektionist der 1973 seiner Zeit im Kopf voraus war. Sein Handicap damals, die Technik der Siebziger.

Die besten Erfindungen in den Jahren 1970 bis 1973 waren die Floppy Disk, das erste Videospiel für Heimgeräte (Odyssey) von Ralp Baer, die Computertomografie von Godfrey Newbold und Allan MacLeod Cormack, nicht zu vergessen das erste Handy, der elektronische Taschenrechner und das Wegwerffeuerzeug.

Mike Oldfield erfand eine neue Art der Musik und konnte mit den meisten Dingen letztendlich kaum etwas anfangen.

Immer wieder störten ihn Fehler und falsche Töne in seinem Gesamtwerk. Auch 1973 war Studiozeit schon teuer und somit die Zeit für ihn viel zu kurz, um seine perfekte Komposition aufzunehmen.

Die Vollendung soll ihm nun vielleicht dreißig Jahre später gelingen. Mit der Technik von heute und dem Sound des 21. Jahrhunderts, neu produziert und durchgestylt. Dies scheint sein Wille und Lebensziel zu sein. Ob ihm das gelingen wird, wissen wir erst nach dem 26.05.2003, wenn sein, vielleicht, vollendetes Werk auf den Markt erschienen ist und es die Modernen Menschen von heute annehmen.