Hibernaculum

Das Phänomen Mike Oldfield

Wenn man einen Menschen nicht persönlich kennt, so bleibt ein nur das zu glauben was man über ihn hört oder liest. Auf der einen Seite, ist er der introvertierte Musiker, der als Autodidakt, perfektzionistisch versucht seine Musik zu machen. Ein Mensch der schon psychische Probleme hatte und Therapien besucht hat.

Auf der anderen Seite ist er ein Partymensch, der es richtig krachen lässt, so das er zum Beispiel, Gerüchteweise, nicht mehr auf Ibiza erwünscht ist. Dann und wann flammt dabei auch das Thema Drogen auf.

Letztendlich steht Mike Oldfield zwar in der Öffentlichkeit, allerdings ohne das die Presse und die Medien zu stark Kenntnis von ihm nehmen. Er lebt bis heute ohne größere Skandale, von dem die Gesellschaft Kenntnis genommen hat. Und da denke ich, das ihm das auch sehr wichtig ist.

Er ist halt keiner von den extrovertierten „Promis“ der gerne in der Menge baden.


Mit Sicherheit ist an jedem Gerücht, an den einem oder anderen Bericht, über oder zu Mike Oldfield etwas dran. Nur genau wissen können es nur Menschen aus seinem Umfeld und er selber.

Seine Musik ist nicht wirklich kommerziell und das Produkt „Mike Oldfield“, in der Masse gesehen, kein richtiger Markenartikel. Die Anhänger seiner Musik sind Menschen, die ein Ohr für das Außergewöhnliche haben, die sich als echte Fans bezeichnen, die genau Wissen an welcher Stelle ein Instrument einsetzt und die Glauben genau zu wissen wann er welches Musikstück das erste Mal gespielt hat.

In meinen Augen macht Mike Oldfield seine ganz persönliche, introvertierte und eigenbrötlerische Musik. Musik, die ihm gefällt und sonst nichts. Das er dabei nebenbei Geld verdient, ist der menschliche Hang zum Selbsterhalt. Nur so kann er seine neuen Ideen verwirklichen und ein, nach seinem Ermessen, angenehmes Leben führen.

Oder kann sich irgendjemand vorstellen, der Mike Oldfields Biografie kennt, das Mike Oldfield morgens um 07:00 Uhr in einem Büro auf der Matte steht oder in der Werkhalle schuftet?

Er lebt, aus meiner Sichtweise, sein individuelles Leben, so wie es die meisten von uns nicht können oder wollen. Zu ihm passt eigentlich kein Plattenvertrag, bei dem er in der Zeit X so und soviel Alben abliefern muss. Er ist kein kommerzieller Musiker, der Produkte auf den Markt implementiert die jeder haben will. Nein, er lässt uns vielmehr teilhaben an seinen ganz persönlichen Bedürfnissen nach guter Musik.

Diese Tatsache hat wohl auch WEA erkannt und ihn in die Kategorie:

„Musiker die, die Welt braucht – die aber keine zig Millionen dabei abliefern“

gepackt. Er ist für WEA ein Nischenprodukt, dass einen gewissen Umsatz und Ertrag bringen soll.

Wenn Mike Oldfield zu einem Zeitpunkt, in dem das Musikgeschäft flau ist und der Geschmack der Generationen sich erneuert, etwas „nie“ da gewesenes produzieren würde, dann würde auch WEA die Mega-Promotions-Maschinerie anlaufen lassen. So lange aber „unser“ Geschmack rein auf vorhandene kommerzielle Produkte geprägt ist, wird da nichts weiter passieren.

Das Virgin in den siebziger soviel Erfolg mit Mike Oldfield hatte, liegt letztendlich daran, das er damals etwas für die Zeit „neues“ kreierte, ohne es wirklich zu wollen. Was er da produzierte wusste es vermutlich selber nicht. Er hatte eine Melodie im Kopf und diese wollte er spielen und erleben. Seine Musik inspirierte alte und neue Musiker, bis heute, zu neuen Ideen.

Aus meiner kleinen Fansichtweise, ist dies für mich die Erklärung, warum es möglicherweise keine Single zu seinem „aufgewärmten“ Thema geben wird. Käufer werden letztendlich nur die Hardcore-Fans sein, die ihr Geld für dieses neue, alte Produkt ausgeben werden.

Geld das, betriebswirtschaftlich gesehen, von Interesse ist, aber nicht interessant genug ist um von einem wirtschaftlichen Erfolg zu sprechen.